Drei Jahre Gymnasium, dann ein radikaler Richtungswechsel: Tobia Schelbert wurde Maurer und vertritt nun sein Handwerk bei den SwissSkills in Bern.
Text / Bild: Kinamo
Noch ist nicht viel los in der Maurerlehrhalle in Sursee an diesem Morgen. Tobia Schelbert macht sich bereit für sein Training. Die Steine liegen bereit, der Plan ist im Kopf. Airpods rein, Pamir drüber – und los geht’s. Aus den Kopfhörern erklingt laute Musik, die Welt um ihn herum wird still. Jetzt zählt nur noch eines: Präzision. Jeder Handgriff sitzt. Tobia arbeitet ein feines Detail am entstehenden Werk aus. Was Tobia hier macht, gleicht fast ein wenig der Arbeit eines Steinmetzes. Doch Tobia ist Maurer – einer, der bald an den SwissSkills antritt.
Der 19-Jährige ist bei seinem Arbeitgeber, der Gebrüder Hodel AG in Baar im Kanton Zug, fast schon wie ein Bauvorarbeiter unterwegs. Er übernimmt Verantwortung, koordiniert Einsätze, rechnet Materialmengen aus. «Ich mag das Organisatorische», sagt Tobia. Aber auch das Mauern liegt ihm – besonders mit Kalksandstein.

Ein radikaler Kurswechsel
Noch vor ein paar Jahren sass Tobia in der Kantonsschule. Doch dann kam das Umdenken. «Ich wollte etwas mit den Händen machen.» Nach einem Schnuppertag auf der Baustelle war klar: Der Beruf des Maurers passt zu ihm. Die Berufsmatura hat er gleich mitgemacht. Seine tolle Leistung in den überbetrieblichen Kursen blieb nicht unbemerkt. Es ging nicht lange, bis Tobia zur Teilnahme an den SwissSkills motiviert wurde.
Die Maurerlehre war eine der besten Entscheidungen.
Tobia Schelbert, SwissSkills 2025 Finalist
Im Herbst geht’s nun in Bern zur Sache – unter Wettkampfbedingungen, mit engem Zeitplan und hohem Druck. Ivan Rust, Ausbildungsverantwortlicher bei der Gebrüder Hodel AG, begleitet Tobia durch die Vorbereitung. «Er ist ruhig, überlegt und organisiert», sagt er anerkennend. Wenn Tobia jetzt noch einen Masterplan mit Meilensteinen macht, kommt’s gut, ist Ivan überzeugt. Er freut sich auf den Event – und hat sich das Datum schon fett im Kalender angestrichen.
Kurz nachgefragt
Was geht dir durch den Kopf, wenn du an die SwissSkills denkst?
Tobia: Man muss sicher den Willen und die Motivation dazu haben. Es ist nicht einfach, es ist wie eine zweite QV. Man schwitzt, man steht unter Druck – das muss man mögen!
Wie bereitest du dich konkret auf den Wettkampf der SwissSkills vor?
Tobia: Von jetzt bis zum August habe ich jeden Monat eine Trainingswoche, um zu mauern. Dort werde ich verschiedene Übungsobjekte erstellen. Einmal sogar mit Mattia Plattner, dem EuroSkills 2025 Kandidaten.
Worauf freust du dich am meisten an den SwissSkills?
Tobia: Auf die coolen Erlebnisse und die anderen Teilnehmer aus den unterschiedlichen Regionen. Und ich freue mich aufs Mannschaftsfeeling.
Was gefällt dir am besten am Maurerberuf?
Tobia: Ich mag Abwechslung, und genau das bietet der Maurerberuf. Am liebsten übernehme ich Bauvorarbeiter-Tätigkeiten wie Anzeichnen, Steine ausrechnen sowie das Organisatorische. Und das Mauern macht mir auch Spass.
Würdest du den Beruf als Maurer weiterempfehlen?
Tobia: Den Maurerberuf würde ich sicher empfehlen, aber man muss dafür gemacht sein. Man muss gerne draussen arbeiten und den Kopf beieinander haben. Mein Weg vom Gymnasium zum Maurer war eine der besten Entscheidungen, die ich treffen konnte.

Jedes Detail zählt
Dass Tobia die SwissSkills nicht auf die leichte Schulter nimmt, merkt man sofort. Tobia trainiert intensiv – jeden Monat eine Woche. Was genau in Bern auf ihn zukommt, erfährt er aber erst am Tag des Wettkampfs. Dann heisst’s: Plan anschauen, analysieren, Fragen stellen – und loslegen. Anders als im Maurer-Alltag, wo’s meist schnell gehen muss, zählt hier jedes Detail. «Auf dem Bau mauert man sicher keinen Bär oder Bulldozer», sagt er lachend.


Tobia weiss, was er kann. «Meine grösste Stärke ist die Genauigkeit.» Seine Schwäche? «Ich bin noch ein bisschen zu langsam. Da muss ich bis zum Wettbewerb noch besser werden.»
Das mentale Training hilft ihm dabei. Musik auf den Ohren. Pausen gezielt nutzen. Schnell wieder zum Fokus zurückfinden.
Nach den SwissSkills und dem Militärdienst will Tobia als Bauvorarbeiter arbeiten. Langfristig sieht er sich als Bauführer. Die SwissSkills sind dabei ein Schritt in diese Richtung. Ein Etappenziel auf einem Weg, der gerade erst beginnt.
Bauberufe.ch wünscht Tobia eine erfolgreiche Teilnahme und viel Spass an den SwissSkills. Junge Talente wie er sichern die Zukunft unserer starken Baubranche – wir sind stolz auf dich!