Es gibt diese Anlässe, bei denen man merkt: Hier wird nicht einfach geredet. Hier wird etwas offengelegt. «Wir bauen auf dich!» am 26. März 2026 im Campus Sursee war so einer. Kein Schönwetterprogramm, keine Ausreden. Sondern ein erstaunlich ehrlicher Blick darauf, wie auf dem Bau gearbeitet wird – und warum genau dort entschieden wird, ob die Branche eine Zukunft hat.
Text / Bild: Petra Stocker
Wenn ein Branchenthema plötzlich persönlich wird
Weil das, was gesagt wird, nicht mehr wie Analyse klingt, sondern wie eine direkte Rückfrage an das eigene Unternehmen. An die eigene Art zu führen – und an die Dinge, die man vielleicht längst weiss, aber noch nicht verändert hat.
Weil das, was gesagt wird, nicht mehr wie Analyse klingt, sondern wie eine direkte Rückfrage an das eigene Unternehmen. An die eigene Art zu führen – und an die Dinge, die man vielleicht längst weiss, aber noch nicht verändert hat.
Adrian Dinkelmann von Infra Suisse zeigt gemeinsam mit UND, wo Unternehmen konkret ansetzen können. Handlungsfelder werden sichtbar, strukturiert, greifbar. Und trotzdem bleibt ein Eindruck hängen: Es geht weniger um Instrumente als um Haltung.
Was passiert, wenn man wirklich fragt
Wie unterschiedlich diese Haltung im Alltag aussieht, zeigen die Beispiele aus den Unternehmen. Jan Malmström und Olivier Imboden haben ihre Mitarbeitenden gefragt, was sie brauchen – bewusst und wiederholt. Während man zuhört, wird klar, wie ungewohnt dieser Schritt eigentlich ist. Denn wer wirklich fragt, muss bereit sein, Antworten zu bekommen, die nicht ins eigene Bild passen.
Der Wunsch nach Teilzeit ist im Büro klar vorhanden, auf der Baustelle hingegen deutlich weniger. Was sich jedoch durchzieht, ist der Wunsch nach mehr Flexibilität im Alltag – nach mehr Spielraum, um Arbeit und Leben besser miteinander zu verbinden.
Im Zentrum sollte die Frage stehen, wie Arbeit konkret organisiert wird.
Neue Modelle – und ihre Grenzen
Dass sich Arbeit anders organisieren lässt, zeigen Sandra Wernery und Lea Ott mit ihrem Co-CEO-Modell. Zwei Personen, eine Führungsrolle – möglich, aber anspruchsvoll.
Abstimmung, Kommunikation und Verantwortung werden komplexer. Genau darin zeigt sich, was sich durch den Tag zieht: Lösungen lassen sich nicht einfach übertragen. Sie müssen zum Unternehmen passen – und von den Menschen getragen werden, die sie leben.
Perspektiven, die den Blick verändern
Mit der Videobotschaft von Caroline Farberger kommt ein Gedanke in den Raum, der hängen bleibt. Wie sehr unsere Wahrnehmung davon geprägt ist, aus welcher Perspektive wir auf die Welt schauen – und wie selten wir diese hinterfragen.
Gerade auf dem Bau, wo Rollenbilder stark sind, bekommt das Gewicht. Inklusion bedeutet hier weniger Programme als die Bereitschaft, die eigene Sicht zu verschieben.
Zwischen Realität und Handlungsspielraum
In der Diskussion mit Olivier Imboden, Sven Stingelin und Thomas Weber wird deutlich, wie unterschiedlich die Ausgangslagen sind. Was im Büro funktioniert, lässt sich nicht einfach auf die Baustelle übertragen. Und doch zeigt sich auch dort, dass der Wunsch nach Veränderung längst angekommen ist.
Nicht weniger Arbeit ist das Thema – sondern mehr Spielraum im bestehenden System.
Aufhören zu jammern – anfangen zu handeln
Imboden bringt es auf den Punkt: Die Branche müsse aufhören zu jammern.
Was folgt, ist kein Konzept, sondern ein konsequentes Vorgehen. Mitarbeitende einbeziehen, Bedürfnisse ernst nehmen, Wertschätzung sichtbar machen – intern wie extern. Und die eigenen Werte so leben, dass sie im Alltag spürbar sind. Nicht spektakulär – aber wirksam.
Wie man Interesse weckt – und Zielgruppen erweitert
Im Berufsmarketing zeigen sich zwei Richtungen. Olivier Imboden beschreibt, wie sie früh ansetzen – dort, wo die Faszination fürs Bauen entsteht: im Sandkasten, beim ersten Kontakt mit Maschinen.
Cornel Müller zeigt mit Work-ID einen anderen Zugang: Berufe sichtbarer machen, Zugänge öffnen und Menschen erreichen, die sich bisher nicht auf dem Bau gesehen haben.
Keine fertigen Lösungen, aber Ansätze, die den Rahmen erweitern.
Andere Perspektiven – und warum sie wichtig sind
Mit Beiträgen von Beni Huggel, Lara Margiotta und Ivan Tschopp verschiebt sich der Blick noch einmal. Weg von der Branche, hin zu grundsätzlichen Fragen: Was treibt Menschen an? Wie offen sind wir für andere Wege? Die Beispiele zeigen keine klassischen Laufbahnen – und genau das macht sie relevant. Sie erweitern den Blick und zeigen, wie vielfältig die Perspektiven sein können, die in die Branche einfliessen.
Zwischen Haltung und Handlung
Bevor der Anlass zu Ende geht, bringt Zita Langenstein einen Gedanken ein, der vieles zusammenführt. Sie richtet den Blick auf etwas, das im Alltag oft unterschätzt wird – und gleichzeitig entscheidend ist: wie wir miteinander umgehen.
Es geht weniger um Konzepte als um Aufmerksamkeit. Um echtes Zuhören. Um die Fähigkeit, Erwartungen wahrzunehmen, auch wenn sie nicht klar formuliert sind. Was einfach klingt, zeigt sich in der Praxis als anspruchsvoll, weil es bedeutet, sich wirklich auf Menschen einzulassen – im Team, im Betrieb, im täglichen Miteinander. Und genau dort schliesst sich der Kreis: Vereinbarkeit entsteht nicht in Modellen, sondern in der Art, wie wir miteinander arbeiten.
Was am Ende bleibt
Was diesen Anlass besonders macht, ist nicht, dass er fertige Lösungen liefert. Sondern dass er sichtbar macht, wo sie bereits entstehen – im Kleinen, im Alltag, in Entscheidungen, die getroffen werden.
Die Branche hat kein Erkenntnisproblem – sondern ein Umsetzungsproblem.
Für die Leserinnen und Leser von Bauberufe.ch bleibt damit eine ziemlich konkrete Frage:
Was davon bin ich bereit, wirklich umzusetzen – wenn ich morgen wieder auf der Baustelle stehe?
Weitere Informationen zum Anlass: Wir bauen auf dich!
Impressionen: