Cyrill am Ende des Wettkampfes

„Nichts ist unmöglich“ – Cyrill Wüthrich im Interview

Er ist kein Mann der grossen Worte. Und vielleicht ist genau das seine Stärke. Cyrill Wüthrich wirkt ruhig, bodenständig – einer, der lieber arbeitet, statt darüber zu reden. Und doch stand er 2024 an den WorldSkills Lyon 2024 plötzlich im internationalen Rampenlicht. Aktuell drückt er im Campus Sursee die Schulbank. Trotz vollem Alltag hat er sich nach Feierabend Zeit genommen, um über seinen Weg zu sprechen: vom Entscheid für den Maurerberuf bis zu den WorldSkills – und darüber, was wirklich bleibt, wenn der Wettkampf vorbei ist.

Text: Petra Stocker
Bilder: SwissSkills

Wenn aus Stolz plötzlich Verantwortung wird

Die Qualifikation für die WorldSkills war ein besonderer Moment – aber kein leichter. Mit der Freude kam sofort auch der Druck. Die Erkenntnis, plötzlich die Schweiz zu vertreten, veränderte die Ausgangslage komplett. Der Gedanke, sich mit den besten Maurern der Welt zu messen, war präsent – besonders zu Beginn der Vorbereitung. In Lyon selbst wurde diese Vorstellung Realität: eine beeindruckende, aber auch fordernde Umgebung, in der alles intensiver wirkt als im gewohnten Alltag.

Der grösste Gegner: der eigene Kopf

Was von aussen wie ein handwerklicher Wettbewerb aussieht, ist innen vor allem eine mentale Herausforderung. Gerade am ersten Wettkampftag war die Unsicherheit am grössten. Neue Umgebung, hohe Erwartungen, ungewohnte Situation – Faktoren, die den Fokus erschweren.

Erst im Verlauf des Wettkampfs verändert sich etwas Entscheidendes: Der Lärm tritt in den Hintergrund, Abläufe greifen, der Kopf wird ruhiger. Es entsteht dieser typische „Tunnelblick“, in dem nur noch die Arbeit zählt.

Irgendwann kommt der Tunnelblick – und dann arbeitet man einfach.

Ein Ergebnis, das einordnet

Mit dem 9. Platz erreicht Cyrill ein starkes Resultat – auch wenn es sich für ihn nicht ganz so anfühlt. Seine eigenen Erwartungen lagen höher, gleichzeitig fehlen ihm die genauen Einblicke in die Bewertung. Rückblickend sieht er die entscheidenden Unterschiede im Detail: weniger grosse Fehler, mehr die kleinen Ungenauigkeiten, die sich summieren. Der letzte Feinschliff, die absolute Präzision – genau dort entscheidet sich das Niveau an der Spitze.

Was bleibt, ist mehr als ein Rang

Die wichtigste Veränderung nach den WorldSkills ist nicht sichtbar – sie zeigt sich im Umgang mit Herausforderungen. Cyrill arbeitet heute strukturierter, plant seine Arbeitsschritte bewusster und geht effizienter vor. Gleichzeitig hat sich seine mentale Stärke entwickelt: Stresssituationen gehören dazu, verlieren aber an Gewicht.

Nichts ist unmöglich – aber man braucht Willen und Selbstsicherheit.

Diese Haltung prägt auch seinen Blick auf Leistung. Entscheidend ist, mit Überzeugung anzutreten.

Weitergeben, was wirklich zählt

Die WorldSkills sind für Cyrill abgeschlossen – aber das Thema geht weiter. Mit Robin Holenstein steht bereits der nächste Schweizer Teilnehmer bereit. Für Cyrill ist klar: Neben Technik und Training entscheidet vor allem die Haltung. Selbstsicherheit ist zentral – ebenso wie die Bereitschaft, sich Schritt für Schritt zu verbessern, statt sofort Perfektion zu erwarten. Auch am Wettkampf selbst gilt: Zeitdruck gehört dazu, darf aber nicht zum Fokus werden. Entscheidend ist, die eigene Arbeit konsequent durchzuziehen.

Gleichzeitig spielt auch der Körper eine Rolle: regelmässig essen, trinken und regenerieren – auch wenn man es im Moment nicht spürt. Am Ende lässt sich sein wichtigster Rat einfach zusammenfassen:

Selbstsicher bleiben. Den eigenen Weg durchziehen. Schritt für Schritt.

Zurück im Alltag – mit neuer Klarheit

Trotz internationaler Bühne ist Cyrill bodenständig geblieben. Sein Leben hat sich nicht grundlegend verändert – aber seine Arbeitsweise schon. Er denkt strukturierter, handelt bewusster und weiss besser, wie er mit Druck umgehen kann. Diese Entwicklung zeigt sich im Alltag auf der Baustelle.

Lernen, was man sich zuerst nicht zutraut

Was ihn an seinem Beruf bis heute motiviert, ist genau dieser Moment: etwas zum ersten Mal zu machen – und dabei festzustellen, dass es doch funktioniert. Am Ende des Tages steht ein sichtbares Resultat. Ein Fortschritt, der nicht abstrakt ist, sondern konkret.

Ein realistischer Blick auf die Branche

Für viele Jugendliche ist der Bau mit Vorurteilen behaftet. Cyrill sieht das aus eigener Erfahrung anders. Sein Rat ist klar: selbst erleben statt urteilen. Schnuppern gehen, den Alltag kennenlernen und sich ein eigenes Bild machen. Denn die Branche ist vielseitiger, als oft angenommen wird.

Was braucht es, um ein guter Maurer zu sein?

  • gutes Vorstellungsvermögen
  • räumliches Denken
  • Mathe
  • keine zwei linken Hände
  • Freude daran, draussen zu arbeiten

Es gibt kein schlechtes Wetter – nur schlechte Kleidung.

Der Blick nach vorne

Aktuell liegt sein Fokus auf der Bauvorarbeiterschule, die nächsten Prüfungen stehen bevor. Alles Weitere lässt er bewusst offen. In Zukunft kann er sich vorstellen, die Bauführerschule anzuhängen. Vorerst möchte er aber weiter auf der Baustelle arbeiten – und das Leben geniessen.

Sein Weg ist nicht abgeschlossen – aber er geht ihn Schritt für Schritt weiter.

Was Erfolg heute bedeutet

Erfolg ist für Cyrill kein Zufall und kein einmaliger Moment. Es geht darum, sich weiterzuentwickeln, Neues zu lernen und sich auch mit Dingen auseinanderzusetzen, die nicht sofort liegen.

Erfolg ist kein Glück – man muss ihn anstreben.

Kurz nachgefragt:

Frühaufsteher oder Langschläfer?
Eher früh.

Sommer oder Winter?
Sommer.

Musik auf der Baustelle – ja oder nein?
Ja – alles. Aber am liebsten Techno.

Teamarbeit oder lieber allein arbeiten?
Team.

Familie oder Baustellen-Kollegen nach Feierabend?
Eine gute Mischung – einmal pro Woche Feierabendbier ist obligatorisch.

Eine Sache, die dich sofort motiviert?
Etwas Neues machen oder gutes Wetter.

Lieblingswerkzeug auf der Baustelle?
Hammer.

Wie viele Kaffees brauchst du, bis du funktionierst? 😄
0.

Pizza mit oder ohne Ananas?
Ohne. Ganz klar.

Was nervt dich auf der Baustelle sofort?
Falsche Pläne und ungebildete Temporäre.

Improvisieren oder strikt nach Plan arbeiten?
Improvisieren geht – aber lieber nach Plan.

Wenn du ein Tier wärst – welches und warum?
Etwas, das fliegen kann. Ein Adler oder so.

Welche App benutzt du am meisten?
Ich bin nicht viel am Telefon.

Was bringt dich zum Lachen?
Glückliche Mitmenschen.

Was macht dich glücklich?
Familie, meine Freundin, mein Leben und Kollegen.

Petra Stocker

Kampagnenleiterin Berufsmarketing

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