Portrait Robin Hollenstein

«Ich würde jederzeit wieder Maurer werden» Schweizermeister Robin Hollenstein auf dem Weg an die WorldSkills 2026

Gossau, Juli 2026: Als Kind beobachtete Robin Hollenstein die Maurer auf den Baustellen seines Dorfes. Heute vertritt der amtierende Schweizermeister der Maurer die Schweiz an den WorldSkills 2026 in Shanghai. Trotz Medaillen, Nationalteam und Berufsweltmeisterschaften spricht der 20-Jährige vor allem über eines: seine Leidenschaft für einen Beruf, den er jederzeit wieder wählen würde.

Text/Bild: Petra Stocker / SwissSkills

Wenn aus Faszination Berufsstolz wird

Robin Hollenstein weiss noch genau, wo seine Begeisterung für den Maurerberuf begonnen hat: auf den Baustellen in seinem Dorf. Schon als Kind schaute er den Maurern bei der Arbeit zu. Was ihn damals faszinierte, ist heute sein Alltag: draussen arbeiten, im Team etwas erschaffen und am Abend sehen, was entstanden ist.

Genau diese Kombination macht den Beruf für ihn aus. Die Arbeit mit den Händen, die Bewegung, die verschiedenen Materialien und die Abwechslung von Projekt zu Projekt. Für Robin ist klar: Maurer zu sein bedeutet nicht einfach, Steine aufeinanderzusetzen.

Viele denken, Maurern sei einfach Steine stapeln. Dabei braucht es viel Geschick, Verantwortung und Fachwissen.

Dass er sich richtig entschieden hat, wurde ihm spätestens an den SwissSkills 2025 bewusst. Dort merkte er endgültig: Das ist sein Beruf. Sein Weg. Seine Leidenschaft.

Präzision statt Show

In der Maurerlehrhalle Gossau bereitet sich Robin derzeit intensiv auf die WorldSkills 2026 in Shanghai vor. Noch ist der grosse Moment nicht da, Shanghai und die Weltmeisterschaften sind für ihn eher eine Vorstellung als Realität.

Ich glaube, ich realisiere es erst, wenn ich wirklich dort bin.

Im Training geht es diese Woche nicht darum, möglichst schnell zu sein. Der Fokus liegt auf Präzision: Abläufe verinnerlichen, Fugen sauber ausbilden, Werkzeuge testen und herausfinden, welches Material für Shanghai noch fehlt. Geschwindigkeit trainiert Robin vor allem während der Dreiländertrainings, welche wieder im August stattfinden. Wichtig ist jetzt der Feinschliff.

Seit dem ersten Training in Taiwan im November 2025 hat sich viel verändert. Fugenausbildung, Genauigkeit und Geschwindigkeit sind besser geworden. Gleichzeitig weiss Robin genau, woran er noch arbeiten muss: runde Objekte, Bögen und alles, was zusätzliche Präzision verlangt. Und ja: Auch seine Geschwindigkeit ist noch ausbaufähig.

Seine grösste Stärke steht auf keiner Rangliste

Robin ist offen, kommunikativ und gerne unter Menschen. Ob auf der Baustelle, als Fussballtrainer oder mit Kollegen – Teamarbeit spielt in seinem Alltag eine wichtige Rolle.

Was ihn besonders auszeichnet, ist jedoch seine innere Ruhe. Während andere in Drucksituationen nervös werden, bleibt Robin meist gelassen und konzentriert. Genau diese Fähigkeit könnte auf dem Weg nach Shanghai zu einem seiner grössten Vorteile werden.

Auf die Frage, worauf er an sich selbst am meisten stolz sei, muss er nicht lange überlegen: darauf, dass er auch dann die Nerven behält, wenn es hektisch wird.

Seine Lieblingsserie ist The Rookie. Besonders gefällt ihm die Art, wie die Figuren mit Herausforderungen umgehen. Fehler passieren – entscheidend ist, wie man darauf reagiert. Kein Wunder also, dass Robin den Charakter Tim Bradford besonders mag: ruhig, strategisch und auch unter Druck mit klarem Kopf.

Wenn man einen Fehler gemacht hat, muss man nach vorne schauen und weitermachen.

Diese Einstellung hilft ihm auf der Baustelle genauso wie im Wettkampftraining.

Abschalten kann Robin am besten beim Sport. Fussball, Schwimmen, draussen sein und Zeit mit Kollegen verbringen – das gehört genauso zu seinem Alltag wie Baustelle und Wettkampftraining. Nebenbei engagiert er sich als Fussballtrainer bei den Junioren. Robin ist nicht nur Schweizermeister, sondern vor allem ein Teamplayer. Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum Robin Maurer geworden ist. Auf der Baustelle gewinnt niemand allein.

Ein starkes Team im Hintergrund

Auch wenn Robin an den WorldSkills allein auf dem Wettkampfplatz stehen wird: Sein Weg nach Shanghai ist Teamarbeit. Eine wichtige Rolle spielt sein Experte Ruedi Signer. Von ihm nimmt Robin fachliche Tipps mit, aber auch Humor und Erfahrung.

Ein Trick ist ihm besonders geblieben: die Maurerkelle zu halbieren, um präziser arbeiten zu können. Ein kleines Detail das zeigt, wie viel Feinarbeit im Maurerberuf steckt.

Robin goes Shanghai `

Hinter jedem Training, jedem Wettkampf und jeder Reise stehen Menschen, die mitfiebern. Für Robin sind das vor allem seine Eltern und seine Freundin. Sein Vater unterstützt ihn organisatorisch und administrativ. Seine Mutter motiviert ihn immer wieder. Seine Freundin ist für ihn da. Diese Unterstützung gibt ihm Halt in dieser intensiven Zeit.

Auch sein Arbeitgeber, die Oberhänsli Bau AG, unterstützt ihn auf seinem Weg nach Shanghai und gibt ihm die Möglichkeit, Beruf und intensive Wettkampfvorbereitung zu vereinbaren.

Mehr als eine Medaille

Robin reist nicht nur für sich selbst nach Shanghai. Er vertritt die Schweiz – und einen Beruf, auf den er stolz ist. Gleichzeitig weiss er, dass damit Druck verbunden ist. Doch für ihn steht nicht nur das Resultat im Vordergrund.

Er möchte Erfahrungen sammeln, die ihn beruflich und persönlich weiterbringen. Die Vorbereitung hat ihm bereits jetzt viel gegeben: mehr Präzision, mehr Geschwindigkeit, aber auch neue Perspektiven. Sogar Mentaltraining gehört heute dazu – etwas, dass er bisher nicht kannte und nicht mehr missen möchte.

WorldSkills 2026 in Shanghai

Die WorldSkills 2026 finden vom 22. bis 27. September 2026 in Shanghai (China) statt.

Für die Schweiz tritt der amtierende Schweizer-Maurermeister Robin Hollenstein an. Begleitet wird er von seinem Experten Ruedi Signer, der selbst 1997 Weltmeister wurde und seit 2005 Schweizer Maurer an internationale Berufsmeisterschaften begleitet.

Nach den WorldSkills im September 2026 wartet bereits das nächste Ziel: die Bauvorarbeiterschule im Januar 2027. Robin möchte Verantwortung übernehmen und eigene Baustellen führen. In zehn Jahren sieht er sich als Bauführer. Und falls es anders kommt? Da lacht er und sagt: «Sollte ich in zehn Jahren Milliardär sein, lade ich dich zum Znacht ein.»

Der Rat an den 15-jährigen Robin

Wenn Robin heute seinem jüngeren Ich begegnen würde, hätte er eine klare Botschaft:

Mach das, was dir Spass macht. Geh deinen eigenen Weg und hör auf dich selbst.

Es ist ein Satz, der gut zu ihm passt. Bodenständig, direkt und ehrlich. So steht Robin Hollenstein heute in der Maurerlehrhalle Gossau: als Schweizermeister der Maurer, als Vertreter der Schweiz an den kommenden WorldSkills – und als junger Berufsmann, der zeigen will, wie viel Können, Verantwortung und Leidenschaft im Maurerberuf steckt.

Ich würde jederzeit wieder die Maurerlehre machen.

Genau deshalb fährt Robin Hollenstein im September nicht nur als Schweizermeister nach Shanghai. Er fährt als Botschafter eines Berufs, den er liebt – und den er jederzeit wieder wählen würde.

Speedrunde mit Robin

Welches Talent hast Du, das nichts mit Maurern zu tun hat?
Ich bin sehr einfühlsam – und Fussballspielen.

Was würden Deine Kollegen über Dich sagen, wenn Du nicht im Raum wärst?
Er ist organisiert und macht bei allem mit.

Wofür gibst Du viel zu schnell Geld aus?
Ferien.

Ohne was gehst Du nicht aus dem Haus?
Schlüssel, Handy und Portemonnaie.

Welchen Beruf würdest Du einen Tag lang ausprobieren wollen?
Bäcker – Ich wollte eigentlich Bäcker werden, die Arbeitszeiten schreckten mich jedoch ab. Lustig, wenn man sich überlegt, dass ich auch jetzt um 05:00 Uhr früh raus muss. Jetzt ist backen für mich ein Hobby.

Welches Emoji benutzt Du am meisten?
😅

Berge oder Strand?
Berge. Bisher war ich noch an keinem Strand an dem es sich lohnte, ein zweites Mal hinzugehen.

Womit kann man Dich richtig auf die Palme bringen?
Mit Interviews. 😉 Und wenn man frühmorgens etwas von mir will.

Ein perfekter freier Tag beginnt mit …
Brunch.

Auf welche Eigenschaft an Dir selbst bist Du am meisten stolz?
Dass ich nicht nervös werde und die Nerven behalte.

Nach den WorldSkills freue ich mich am meisten auf …
Ferien und einfach mal nichts tun.

Mit welchen drei Worten würden Dich Deine Freunde beschreiben?
Zuverlässig, hilfsbereit, pflichtbewusst.

Planen oder improvisieren?
Beruflich planen, privat improvisieren.

Petra Stocker

Kampagnenleiterin Berufsmarketing

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