«Wenn der Schlusspfiff kommt, willst du sagen können: Ich habe alles gegeben.»

Nicola Krause wurde 2023 Europameister im Mauern. Im Interview mit Bauberufe.ch spricht er über mentale Stärke, Durchhaltewille und warum der Bau für ihn mehr ist als ein Beruf.

Text: Petra Stocker

Von der Baustelle zur Bühne Europas

Nicola, wenn du an die EuroSkills 2023 zurückdenkst – was bleibt?
Nicola: Die intensive Vorbereitung war geprägt von Stress, aber auch viel Vorfreude. Während des Wettkampfs war ich voller Emotionen – im Nachhinein bleibt vor allem der Spass in Erinnerung. Und die Erleichterung, als der Schlusspfiff kam: Ich wusste, ich habe mein Bestes gegeben.

Wie war der Moment, als du wusstest: Ich bin Europameister?
Nicola: Ich habe es ehrlich gesagt zuerst gar nicht realisiert. Als Österreich und Deutschland genannt wurden, war mir kurz nicht klar, dass ich Gold habe. Als es dann durchgesickert ist, war einfach nur Freude da – gemeinsam mit meinem Team feiern zu dürfen, war unvergesslich.

Während des Wettkampfs hatte ich tausend Gefühle gleichzeitig – aber was bleibt, ist der Spass.

Nicola Krause, Europameister Bricklaying 2023

Was wirklich zählt: mentale Stärke

Was hat sich in deinem Leben seit dem Titel verändert?
Karrieretechnisch nicht viel – ich wusste schon vorher, wo ich hin will. Aber mental hat mich die ganze Reise extrem gestärkt. Ich bin heute viel ruhiger in Stresssituationen, habe mehr Übersicht und ein positiveres Mindset.

Was machst du heute anders – auf der Baustelle und im Alltag?
Ich starte strukturierter, überlege zuerst: Was ist das Ziel, wie komme ich dahin? Und ich lasse mich nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen. Ich sage nicht mehr „Das schaffe ich nicht“, sondern: „Ich schaffe das!“

Ich sehe heute das grosse Ganze – und handle danach.

Nicola Krause, Europameister Bricklaying 2023

Tiefpunkte gehören dazu – und bringen dich weiter

Gab es auch schwierige Momente auf deinem Weg?
Oh ja. Mein Tiefpunkt war das letzte Training vor dem Wettkampf. Schlechte Bedingungen, schlechtes Material – aber genau das hat mich auf Danzig vorbereitet. Beat, mein Coach, sagte: „Trainiere unter harten Bedingungen – damit du im Ernstfall glänzen kannst.“ Er hatte recht.

Was war das Härteste – und was das Schönste – an deinem Skills-Abenteuer?
Das Härteste war der Wettkampf selbst – körperlich und mental sehr fordernd. Das Schönste war alles danach: der Titel, die Emotionen, das gemeinsame Feiern.

Ich hatte bei jeder Vorbereitung den zweiten Platz – da war Gold überfällig.

Nicola Krause, Europameister Bricklaying 2023

Heute: Verantwortung und neue Horizonte

Was machst du beruflich – und wie sieht deine Zukunft aus?
Ich bin aktuell an der Bauführerschule und arbeite als Bauführer im Verkehrswegbau. Langfristig möchte ich nach dem Abschluss reisen, Gleitschirm fliegen, Erfahrungen sammeln – aber auf dem Bau bleibe ich. Der Beruf passt zu mir.

Gab es für dich je einen Plan B?
Nein. Ich wusste schon beim Schnuppern: Ich will auf den Bau. Wenn ich heute zurückblicke, würde ich wieder Maurer lernen – vielleicht einfach früher mit dem Fliegen anfangen. (lacht)

«Fehler passieren – wichtig ist, wie du damit umgehst»

Was gibst du Mattia mit, der 2025 an den EuroSkills startet?
Er soll die Erfahrung geniessen – sie ist einmalig. Fachlich braucht er keinen Rat von mir, er macht das super. Und mit Beat hat er einen Top-Coach. Wichtig: Fehler passieren. Entscheidend ist, wie du reagierst. Nicht hängenbleiben, weitermachen.

Dein Tipp an junge SwissSkills-Talente?
Vollgas geben, Ziel vor Augen behalten und die ganze Reise geniessen. Es ist eine einmalige Chance, persönlich zu wachsen.

Jetzt im Training soll Mattia Fehler machen – damit er im Wettkampf weiss, wie er damit umgeht.

Nicola Krause, Europameister Bricklaying 2023

Ein Beruf mit Zukunft

Was würdest du einem 14-Jährigen sagen, der noch nicht weiss, was er machen will?
Der Bau bietet unzählige Möglichkeiten – gerade durch die Weiterbildungen. Du lernst Durchhaltewillen, arbeitest bei jedem Wetter, entwickelst dich ständig weiter. Es ist ein Beruf mit Charakter.

Und was braucht es, damit Bau-Berufe mehr Wertschätzung erhalten?
Vielleicht muss die Gesellschaft erst merken, was passiert, wenn es keine Bauleute mehr gibt: keine Häuser, keine Strassen, keine Infrastruktur. Der Bau ist die Basis unseres Alltags – das sollte mehr respektiert werden.

Speedrunde mit Nicola:

Mein perfekter Sonntag: Gleitschirmfliegen

Wenn ich nicht auf dem Bau wäre, wäre ich wahrscheinlich: Immer noch am Schlafen (lacht)

Wenn ich nervös bin, hilft mir: Mein Selbstbewusstsein

Mein grösstes Talent abseits vom Mauern ist: Meine Art, meine Einstellung und dass ich Menschen nehme wie sie sind.

Eine Sache, die fast niemand über mich weiss: Ich bin sehr Tierlieb. Ich mag Tiere – manchmal sogar mehr als Menschen (lacht)

Das letzte Mal, dass ich so richtig stolz auf mich war: Direkt nach den Bauführerprüfung am 18. Juni – dass ich es mit dem Lernen durchgezogen habe.

Baustelle ist für mich manchmal wie: Ein Hobby

Wenn ich mal richtig abschalten will: Dann nehme ich den Hund und meine Freundin und wir gehen gemeinsam in die Berge.

Am meisten lachen muss ich, wenn: Menschen irgendwelche unrealistischen Vorstellungen haben oder Forderungen die nicht umsetzbar sind – das nehme ich gerne mit Humor.

Was mich richtig nervt: Langsame Autofahrer

Glücklich bin ich, wenn: ich Zeit mit meinen Liebsten verbringen kann.

Nicola Krause hat 2023 bewiesen, was in ihm steckt: mentale Stärke, handwerkliche Präzision – und echte Leidenschaft.
Wir sagen: Danke für deine Inspiration – und freuen uns auf die nächste Generation von Bau-Champions.

Besuch im Bundeshaus

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Petra Stocker

Kampagnenleiterin Berufsmarketing