Die EuroSkills 2025 rücken näher: Mattia Plattner über Teamgeist, Ehrgeiz und trockenen Mörtel
Sa., 12.07.2025 | 7:01
Eigentlich braucht er nicht immer einen Plan – aber auf dem Weg nach Herning überlässt Mattia nichts dem Zufall. Der Vize-Schweizermaurermeister 2022 trainiert mit Herz, Humor und Präzision für die EuroSkills 2025 in Dänemark. Im Gespräch erzählt er, was ihn antreibt, wie er mit Frust umgeht – und warum er Mörtel heute ein bisschen anders anrührt als früher.
Text / Bild: Petra Stocker
Was machst du in deiner Freizeit? Mattia: Ich gehe oft ins Fitness, verbringe gerne Zeit mit Freunden und bin in der Jugendgruppe aktiv. Eigentlich bin ich auch im Turnverein, momentan aber nicht sehr aktiv. Im Winter gehe ich gerne Skifahren. Und ich besuche dieses Jahr die Vorarbeiterschule.
Was sagen deine Freunde über dich? Mattia: Wahrscheinlich: der Planer. Ich plane zwar lange nicht, aber am Schluss mache ich dann doch einen Plan. Und wenn der Plan ist, planlos zu sein, passt das auch.
War Maurer schon früh dein Berufswunsch? Mattia: Ja, das war immer ein Thema. Ich wollte auf jeden Fall etwas Handwerkliches machen. Mein Vater war auch schon Maurer, daher hatte ich früh Kontakt mit dem Beruf.
Gab es jemanden, der dich besonders geprägt hat? Mattia: Es gibt immer wieder Leute, die ich cool finde und bewundere. Aber kein konkretes Vorbild.
Skills-Training ist kein Alltag
Wie bereitest du dich auf die EuroSkills vor? Mattia: Ich habe vier offizielle Trainingswochen, dazu 1–2 Trainings im Betrieb. Von SwissSkills aus gibt es alle zwei bis drei Wochen ein Mentaltraining und die Competitor-Weekends.
Wie fühlt sich der Trainingsalltag an? Mattia: Definitiv nicht wie normale Arbeit. Es ist wie ein Wettkampfziel, auf das man hinarbeitet. Alleine zu arbeiten liegt mir weniger, ich liebe Teamarbeit. Du kannst den besten Job der Welt haben, aber wenn das Team nicht stimmt, macht er keinen Spass – umgekehrt genauso.
Was war dein bisher grösster Aha-Moment? Mattia: Der Tipp von Beat mit dem Mörtel! Wenn ich ihn trockener anrühre, arbeite ich sauberer. Hat wirklich etwas gebracht.
Ich finde es cool, dass ich die Gelegenheit für eine Teilnahme bekommen habe – das ist nicht selbstverständlich.
Mattia Andrea Plattner
Gab es Momente, in denen du ans Limit gekommen bist? Mattia: Ja, einmal war ich richtig sauer. Eine Form beim Mauern wollte einfach nicht gelingen und verschob sich ständig wieder. Beim Abbruch konnte ich mich dann wieder abreagieren. (lacht)
Was motiviert dich an schwierigen Tagen? Mattia: Das Wissen, dass ich nach einer Hürde wieder etwas anderes machen kann. Ich bin grundsätzlich nicht lange nachtragend oder wütend.
Wenn du das Training mit einem Geräusch beschreiben müsstest – welches wäre das?Mattia: Ein richtig schneller Töff: njöööng!
Mit Freude auf der Baustelle
Worauf bist du heute schon stolz? Mattia: Dass ich die Chance bekommen habe und es bis hierhin geschafft habe. Das ist nicht selbstverständlich.
Du kannst den besten Job der Welt haben – aber wenn das Team nicht funktioniert, macht er keinen Spass.
Mattia Andrea Plattner
Was sagst du jemandem, der eine Maurerlehre als „Plan B“ sieht? Mattia: Wenn dir der Beruf gefällt, dann go for it! Wenn du schon beim Gedanken daran keine Lust hast, dann lass es lieber bleiben.
Was rätst du den SwissSkills-Finalist:innen 2025? Mattia: Guzi gäh! Das Beste geben, gute Laune während dem ganzen Prozess behalten und es geniessen, solange es Freude macht.
Wenn ich den Mörtel trockener anrühre, wird meine Arbeit sauberer – ein simpler Tipp, der echt viel gebracht hat.
Mattia Andrea Plattner
Wie würdest du einem 13-Jährigen deinen Beruf schmackhaft machen? Mattia: Du kannst von Anfang an viel machen, Verantwortung übernehmen, Fragen stellen und wirst schnell einbezogen – wenn du motiviert bist. Ausprobieren und Interesse zeigen ist das Wichtigste.
Wovon träumst du beruflich? Mattia: Ferientester. (lacht) Aber ernsthaft: Ich will Freude an meiner Arbeit haben, mich weiterentwickeln und in der Baubranche bleiben – aber nicht ewig als Maurer.
Auf dem Weg nach Herning
Mattia Andrea Plattner wird vom 9. bis 13. September 2025 die Schweiz an den EuroSkills in Herning, Dänemark vertreten. Begleitet wird er von Skills-Experte Beat Jung. Was ihn erwartet? Ein internationales Teilnehmerfeld, Wettkampf unter Hochspannung – und die Chance, mit Präzision, Ausdauer und Mentalstärke Europameister zu werden. Bauberufe.ch wünscht ihm viel Erfolg – wir sind jetzt schon sehr stolz auf dich. Du Rockst das!
Speedrunde: Mattia Privat
Glücklich bin ich, wenn: Ich essen kann
Mein perfekter Sonntag: Chillen
Wenn ich nicht auf dem Bau wäre: Wäre ich bei der Polizei oder Architekt
Mein Beruf ist für mich: Geile Arbeit
Wenn ich nervös bin, hilft mir: Sport
Mein grösstes Talent abseits vom Mauern: Essen
Auf der Baustelle lautet mein Spitzname: Matti
Mein Vorbild: Ich selbst (zwinkert)
Fast niemand weiss: Ich esse Kartoffeln nur mit Mayonnaise
Richtig stolz war ich, als: Ich ein Ei aus der Luft mit der Kelle aufgeschlagen habe – direkt in die Mitte getroffen
Baustelle ist manchmal wie: Ein Zirkus
Abschalten heisst für mich: Schlafen
Am meisten lachen muss ich bei: Schadenfreude
Was mich nervt: Wenn jemand einfach nicht versteht was ich meine, weil man nicht zuhört
Weitere Infos zu Mattia und seinem Weg an die EuroSkills findest Du hier.
Während eines Skills-Trainings in der Maurerlehrhalle in Sursee spricht bauberufe.ch mit Beat Jung, dem ehemaligen EuroSkills-Vizechampion von Lille 2014. Heute begleitet er als Experte junge Maurer-Talente auf ihrem Weg an die EuroSkills. Im Interview erzählt er von Grenzerfahrungen, dem Weg auf das Podest, seiner Faszination für Feinarbeit im Maurerberuf – und warum Respekt für das Handwerk heute wichtiger denn je ist.
Die Menschen in Bauberufen gestalten die Zukunft der Schweiz aktiv mit. So auch der Maurer Cyrill Wüthrich, der an den SwissSkills gewann und 2024 an den WorldSkills die Schweiz vertreten hat. Im Interview erzählt er mehr über seinen Beruf und was er für die Zukunft plant.
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