Wie findet man den richtigen Beruf für sich? Manche suchen lange, andere wissen es früh. Für Raffael Zeller stand schon als Lehrling fest, dass er Baupolier werden wollte. Heute ist er genau das und sehr glücklich dabei. Auf Baustellenbesuch in Appenzell bei einem jungen Mann, dessen Beruf viel von ihm fordert, aber auch viel zurückgibt.
Bild / Text: Kinamo
Kurz nach 7 Uhr auf der Baustelle in Appenzell. Raffael Zeller hat den Rapport vom Vortag gemacht und teilt sein Team ein. Sieben Leute: ein Kranist, ein Bauvorarbeiter, zwei Maurer, dazu mehrere Bauarbeiter. Gemeinsam bauen sie ein Mehrfamilienhaus mit neun Wohnungen und drei Büros; derzeit arbeiten sie an der Tiefgarage und im Untergeschoss. Raffael zeichnet an und kontrolliert. Im Kern geht es bei seiner Arbeit um Verantwortung. «Meine Rolle ist es, Material zu organisieren, die Leute zu führen, die Baustelle zu planen, den Zeitplan einzuhalten und die Abläufe zu koordinieren», sagt er. Dafür muss er vorausdenken: viel rechnen, unter anderem Volumen berechnen und die Lieferungen so staffeln, dass auf der oft engen Baustelle nicht alles schon zu Beginn steht. Doch ein guter Baupolier brauche neben dem Rechnerischen vor allem ein gutes Menschenverständnis, sagt Raffael.
Die Zeiten, in denen man den ganzen Tag herumschreien musste, sind vorbei. Man muss den Leuten zuhören, auf Bedürfnisse eingehen.



Verantwortung für Sicherheit
Zu Raffaels Verantwortung gehört auch, dass auf der Baustelle die Arbeitssicherheit gewährleistet ist, auch wenn’s oft hektisch zu- und hergeht. «Es muss alles entsprechend gesichert werden, damit jeder wieder gesund nach Hause kommt», sagt er. Er instruiert die Leute, kontrolliert nach und behält beim Rundgang die Gefahren im Blick. Konkret bedeutet das, die acht lebenswichtigen Regeln einzuhalten, die in der Branche jeder kennt: «Dazu gehört eine Absturzsicherung oder ein montiertes Geländer.» Zusätzliche Vorsicht verlangt die Lage: Direkt neben der Baustelle verläuft die Bahnlinie, weshalb der Kran nur schwenkbegrenzt arbeitet.
BfA – Beratungsstelle für Arbeitssicherheit
Die BfA unterstützt Unternehmen des Bauhauptgewerbes in den Bereichen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Mit Beratung, Schulungen und praxisnahen Hilfsmitteln trägt sie dazu bei, Unfälle zu verhindern und sichere Arbeitsbedingungen auf Baustellen zu fördern.
Weitere Informationen befinden sich hier.


Vom Maurer zum Baupolier
Den Weg zum Baupolier hat Raffael zielstrebig eingeschlagen. Er lernte Maurer, arbeitete zwei Jahre in diesem Beruf und schloss danach direkt die Vorarbeiter- und die Polierschule an. Seit sechs Jahren ist er nun Baupolier im Hochbau.
Schon während der Lehre war mir früh klar, dass ich Baupolier werden will.


Verändert hat sich der Beruf seither vor allem durch die Digitalisierung: Wo am Anfang noch Papierpläne den Alltag bestimmten, gehören heute Tablet und E-Mail dazu. Eines aber bleibt: «Als Baupolier kannst du nicht um 7 Uhr dastehen und überlegen, was wir heute machen – du musst bereit sein und die Leute einteilen.» Deshalb beginnt seine Planung oft schon zu Hause.
Was Raffael an seinem Beruf am meisten schätzt, ist die Abwechslung. «Ich bin froh, wenn ich nach einer Woche Wände schalen auch mal wieder anzeichnen kann.» Und der Stolz, den er fühlt, wenn er an Häusern vorbeikommt, die er mitgebaut hat: «Dann weiss ich: hier stecken viele Handgriffe von mir drin.» Ein besonderes Gefühl für den jungen Appenzeller. «Du siehst, was du mit dem Team geleistet hast. Das ist einfach erfüllend.» Er habe erreicht, was er wollte, sagt Raffael, mit der Gewissheit, dass er den richtigen Beruf für sich gefunden hat. Er will Baupolier bleiben und auf dem Beruf arbeiten, solange es geht.

