Planer, Motivator und Chrampfer

Warum ein Vorarbeiter auch mal Glace besorgt: Roman Cavelti, Vorarbeiter in Ausbildung, lernt in seiner Ausbildung nicht nur Theorie.

Betonkunde, Rapportwesen und die richtige Mischung aus Humor und Durchsetzungsvermögen: Roman Cavelti, Strassenbauer, ist in der Ausbildung zum Vorarbeiter.

Ursprünglich wolltest du Maurer werden …
Stimmt. Aber bereits in der Schnupperwoche merkte ich, dass dieser Beruf nichts für mich ist. Beim Schnuppern als Strassenbauer bei der Reichmuth AG konnte ich sofort auf die Baustelle und mit anpacken. Das trug viel dazu bei, dass ich mich für die Strassenbauerlehre entschieden habe. Während meiner Ausbildung hatte ich einen sehr guten Polier, der mich gefördert und mir viel Verantwortung überlassen hat. Ich hatte im 3. Lehrjahr sogar schon meine eigene Baustelle.

Und jetzt die Ausbildung zum Vorarbeiter.
Als ich die Lehre als Strassenbauer anfing, wollte ich in erster Linie einfach mal eine Ausbildung. Während der drei Jahre habe ich aber schnell gemerkt, dass ich gerne Verantwortung übernehme, mitdenke und mitorganisiere. Deshalb war für mich klar, dass ich eine Weiterbildung mache.

Du bist mit 23 Jahren schon bereit für diese Aufgabe?
Ich bin nicht der Jüngste in meiner Vorarbeiter-Klasse. Nach der Lehre als Strassenbauer musste ich in die Rekrutenschule. Nach dem Militärdienst kehrte ich zur Reichmuth AG zurück und sammelte dort während zweier Jahre Praxiserfahrung als Strassenbauer. Ich hätte das auch noch etwas länger gemacht, aber mein Vorgesetzter fand, ich sei bereit für die Ausbildung zum Vorarbeiter.

Also wieder zurück auf die Schulbank.
Allerdings. Als Vorarbeiter muss man über viele Dinge Bescheid wissen. Wir befassen uns in den Kursen mit Fachrechnen, Skizzieren, Betonkunde, Fundation, Leistungsverzeichnis, Rapportwesen und vielem mehr. Ich bin froh, dass wir die Kurse blockweise absolvieren, so kann ich mich in dieser Zeit ganz aufs Lernen konzentrieren.

Jede Menge Theorie also. Was ist mit der Praxis?
Auch die kommt in der Ausbildung nicht zu kurz. Als angehende Vorarbeiter überwachen wir wochenweise die Lernenden in den Lehrhallen an der Berufsfachschule. Dabei haben wir Unterstützung der Lehrer. Trotzdem ist es eine echte Herausforderung, eine Klasse mit 20 Erstlehrjahrstiften im Griff zu haben…

Und wie setzt du dich auf der Baustelle durch?
Manchmal ist es gut, sich eben gerade nicht durchzusetzen. Humor und Diplomatie sind wichtig, um ein Team am Funktionieren zu halten. Ich frage die erfahrenen Baustellenprofis oft um Rat. Gemeinsam kann so die beste Lösung gefunden werden. Natürlich braucht es auch Durchsetzungsvermögen. Teamgeist und motivierte Mitarbeiter stehen aber immer im Vordergrund.

Wie motivierst du dein Team?
Wie gesagt, der Humor ist sicher ein wichtiger Aspekt. Immer nur krampfen kann auf die Dauer nicht funktionieren. Man muss auch mal Zeit für ein Spässchen haben. Oder eine kleine Auszeit: Im Sommer, bei grosser Hitze, kann die Arbeitsmoral schon mal nachlassen. Da geh ich dann kurz zum Kiosk und bringe eine Glace für jeden. Solche Sachen müssen möglich sein.

Team motivieren, Tagesziel erreichen, Planung im Griff behalten. Bleibt da noch Zeit zum Mitanpacken?
Auf jeden Fall! Meine Aufgabe als Vorarbeiter hat auch Vorbildcharakter. Ich kann nicht von meinem Team verlangen, was ich selber nicht mache. Die administrativen Arbeiten wie das Rapportschreiben müssen dann halt warten. Im Sommer, wenn wir viel zu tun haben, nehme ich den Papierkram schon mal mit nach Hause und erledige ihn dort.


(Die Textwerkstatt | B. Magazin)

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