Mattia steigt um

Die schicken Klamotten und die Krawatte hat Mattia in den Schrank gehängt. In seiner Zweitausbildung zum Strassenbauer trägt er tagsüber jetzt Orange.

Anstatt Pullover zusammenzulegen und Kunden in modischen Fragen zu beraten, steigt Mattia Secli, 22 Jahre, seit rund einem halben Jahr jeden Morgen in die robusten Arbeitsschuhe und setzt sich den Bauhelm auf den Kopf. Der gelernte Detailhändler hat beschlossen, umzusteigen: Nach Abschluss der dreijährigen Lehre hat er eine Zweitausbildung zum Strassenbauer angefangen.

Mattia, du hast zuerst eine dreijährige Lehre als Detailhändler gemacht. Wie kam es dazu?

Nach Abschluss der Oberstufe hatte ich keine Lehrstelle gefunden und ging erstmal auf den Bau. Durch Bekannte erfuhr ich von der Lehrstelle als Detailhändler bei einem Modegeschäft in Wil. Die Zeit drängte und ich habe mich beworben. Anfangs hat mir die Arbeit gefallen. Ich hatte durch den Kundenkontakt täglich viele neue Begegnungen, das hat mir gefallen. Weniger gefallen hat mir, dass ich den ganzen Tag im Laden war. Aber ich habe mir gedacht, ich ziehe es durch, dann habe ich wenigstens einen Lehrabschluss. Das habe ich auch gemacht. Danach wollte ich aber erst mal Geld verdienen. Deshalb arbeitete ich nach dem Abschluss nicht im Detailhandel, sondern ging erneut auf den Bau als temporärer Angestellter.

Und daraus wurde jetzt die Zweitausbildung?

Genau. Das Temporärbüro vermittelte mich irgendwann zur Convia Bau AG, meinem jetzigen Lehrbetrieb. Nach einer Weile schlug mir mein Chef vor, doch die Zweitausbildung zum Strassenbauer zu machen. Ich überlegte nicht lange, denn auf dem Bau fühle ich mich zuhause und die Weiterbildungsmöglichkeiten sind sehr gut. Ich stehe heute immer noch zu hundert Prozent hinter dieser Entscheidung.

Im Vergleich zu deiner ersten Ausbildung ist jetzt bestimmt vieles anders.

Oh ja. Das fängt schon bei der Arbeitszeit an: Früher fing ich um neun Uhr morgens an. Jetzt muss ich im Sommer um fünf Uhr früh auf den Zug, damit ich rechtzeitig auf der Baustelle bin. Aber das ist Gewöhnungssache, ebenso wie die körperliche Anstrengung. In den ersten zwei Arbeitswochen war ich abends fix und fertig. Ich arbeite in einem guten Team, wir sind alles Männer. Als Detailhändler waren wir in der Berufsschule vier Jungs unter 16 Mädchen. Das ist jetzt ziemlich anders.

Dann ist jetzt alles besser?

Obwohl das Arbeitstempo jetzt anders ist, gefällt es mir sehr. Im Verkauf hatten wir keinen Zeitdruck, da ging alles sehr gemächlich. Jetzt gilt es, Termine einzuhalten. Aber ich kann endlich draussen arbeiten, bin den ganzen Tag an der frischen Luft. Im Sommer ist das herrlich. Zudem arbeite ich mit meinen Händen, ich kann etwas erstellen und nach einer Woche sehe ich das Resultat. Das find ich ein tolles Gefühl. Wir sind ein kleiner Betrieb, nur rund 40 Mitarbeiter, da kennt jeder jeden und es geht sehr familiär zu und her.

Kannst du von deiner ersten Ausbildung profitieren?

Nein, in keiner Art und Weise. Im Detailhandel hatten wir wirtschaftliche Fächer, die bringen mir hier nichts. Und den allgemein bildenden Unterricht muss ich ja in Sursee nicht mehr besuchen. Wir in der Zusatzausbildung arbeiten eigentlich den ganzen Lernstoff der dreijährigen EFZ-Ausbildung in zwei Jahren durch. Deshalb ist das Tempo auch zügig und ich muss schauen, dass ich am Ball bleibe. Zum Glück teile ich mein Zimmer während der Blockkurse mit einem ehemaligen Hochbauzeichner.

Du lernst also mehr als während deiner ersten Ausbildung.

Definitiv. Während meiner ersten Ausbildung habe ich nie gelernt. Es hat mich auch nicht so interessiert. Jetzt, in der Zweitausbildung ist es anders. Die mache ich freiwillig, und ich will einen guten Abschluss. Ich bin jetzt reifer und übernehme die Verantwortung für meine Zukunft.

Was hast du nach dem Abschluss vor? Noch eine dritte Ausbildung?

Aber sicher! Ich will auf jeden Fall die Vorarbeiter- und Polierausbildung machen, das ist klar. Weitere Pläne habe ich nicht. Und erst will ich die LAP gut abschliessen, dann sehen wir weiter.

(Dieses Interview stammt aus dem B. Magazin)

Zweitausbildung

Wer bereits eine Grundbildung mit EFZ in einem anderen Beruf erfolgreich abgeschlossen, kann mit einer Zweitausbildung verkürzt das eidgenössische Fähigkeitszeugnis in einem Berufs des Berufsfeldes Verkehrswegbau erreichen. Die Zweitausbildung dauert 2 Jahre.

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