WorldSkills Leipzig 2013
Strassenbauer gewinnen Bronze

Strassenbauer im Wettkampffieber

An den World Skills, den Weltmeisterschaften der Berufe in Leipzig, war auch ein Strassenbauer-Team aus der Schweiz mit dabei. Patrick Bürgin von der Ruepp AG in Ormalingen und Dominic Zähner von der Implenia Schweiz AG in St. Gallen zeigten eine glanzvolle Leistung und erreichten den dritten Platz.

Die Konzentration war förmlich spürbar bei den vier Strassenbauer-Teams, die an der Weltmeisterschaft der Strassenbauer in Leipzig um Edelmetall kämpften. Hoch waren der Einsatzwille und die Leistungsbereitschaft bei allen. Die Sonne schien das wenig zu kümmern. Unbarmherzig brannte sie auf das Messegelände nieder, auf dem der Strassenbauer-Wettkampf stattfand. Die beiden Schweizer Patrick Bürgin (20) und Dominic Zähner (19) wollten ihn sich holen, den Titel des weltbesten Strassenbauers.

Grossevent in Leipzig

Keine der bisherigen Berufsweltmeisterschaften war so gross, wie diejenige in Leipzig. Während vier Tagen traten über 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 53 Ländern und Regionen in 46 verschiedenen Berufsdisziplinen gegeneinander an. Über 200‘000 Besucher wurden auf dem Wettkampfgelände und bei den offiziellen Veranstaltungen in der Stadt gezählt. Die meisten Berufe – von den Coiffeuren bis zu den Webdesignern – führten ihre Wettkämpfe in den grosszügigen Hallen der Messe Leipzig durch. Bei den Maurern oder bei den CNC-Fräsern beispielsweise nahmen so viele Länder teil, so dass für die Wettbewerbe dieser Berufe nahezu halbe Messehallen nötig waren.

Nicht ganz so opulent und nicht ganz so prominent ging es jedoch bei den Strassenbauern zu und her. Die vier Mannschaften trugen ihren Wettkampf unter freiem Himmel, auf dem Aussengelände der Messe, aus. Zudem fand die Strassenbauer- Weltmeisterschaft nur als Show-Wettbewerb statt, sie gehörte nicht ins offizielle Programm von World Skills und zählte entsprechend nicht für die Länderwertung.

Zu wenig Länder für Strassenbau-WM

Für eine offizielle Wertung bei World Skills hätten Strassenbauer-Teams aus mindestens acht verschiedenen Ländern teilnehmen müssen. So viele Länderdelegationen nach Leipzig zu bringen, hatte sich aber als unmöglich herausgestellt. «Wir haben alles versucht, um beispielsweise auch die Holländer, Belgier oder Österreicher zu einer Teilnahme zu bewegen», berichtete Dr. Cornelia Vater, Leiterin der Abteilung Berufsbildung beim Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) und Organisatorin der Strassenbauer-Weltmeisterschaft in Leipzig. «Doch leider ohne Erfolg.» Schliesslich reisten nur ein französisches, zwei deutsche und ein Schweizer Team nach Ostdeutschland. «Wir vom ZDB wollten auch den Strassenbauern an den World Skills eine gebührende Plattform bieten und haben darum einen Show-Wettbewerb auf die Beine gestellt.»

Unterschiedliche Ausbildungen

Patrick Bürgin und Dominic Zähner zeigten in Leipzig auch ihr Können im Umgang mit Natursteinen. Die verlangte Pflästerung, ein Muster aus fünf blumenartig angeordneten Kreisen und Halbkreisen, sollte natürlich bis am Ende des vierten Wettkampftages fertig sein. Keine leichte Aufgabe für den Baselbieter und den Appenzeller. Zwar können Patrick und Dominic dank ihrer Ausbildung zum Strassenbauer durchaus einfache Pflästererarbeiten erstellen. Doch derart komplexe Ornamentpflästerungen gehören nicht zu ihrem Berufsalltag. Und eigentlich auch gar nicht zu ihrem Handwerk. Dafür bildet man in der Schweiz nämlich eigens Pflästerinnen und Pflästerer aus. In Deutschland existiert der Pflästererberuf nicht mehr. Pflästern gehört dort zu den Aufgaben eines Strassenbauers.

Davon profitierten in Leipzig die beiden deutschen Teams: Sie kamen mit ihrer Arbeit ein gutes Stück rascher voran als die beiden Eidgenossen. Doch liessen Patrick und Dominic sich deswegen nicht ins Bockshorn jagen, sondern setzen ihre Arbeit konzentriert fort. Zum Glück wussten sie damals noch nicht, dass ihnen die Zeit am Schluss tatsächlich nicht mehr reichen würde, um das Werk zu vollenden. Doch sämtliche Experten attestierten Patrick und Dominic eine hohe Genauigkeit.

Millimeter entscheiden über Punktzahl

«Wir geben alles, um hier zu gewinnen!», hatten die beiden stets betont. Doch spätestens nach dem dritten Tag war klar, dass die Chancen auf eine Goldmedaille nicht mehr zum Besten standen: Die beiden deutschen Equipen legten ein hohes Tempo vor. Die Schweizer konnten da nicht mehr mithalten, arbeiten aber weiter mit hoher Präzision. Denn Präzision war wichtig für die Bewertung. Insgeheim hofften die Eidgenossen nun auf einen zweiten Platz.

Das Gekreische der Trennschneider, mit welchen die Betonverbundsteine passgenau zugeschnitten wurden, lockte viele Besucher aus den Messehallen an die Sonne zu den Strassenbauern. An die Abschrankungen gepresst, verfolgen sie gebannt den Schlussspurt der Strassenbauer. Unter ihren Händen waren auf wundersame Weise vier spezielle Strassenstücke entstanden.

In Leipzig hatten alle vier Teams nach den Plänen des deutschen Chefexperten jeweils exakt das gleiche Bauwerk zu erstellen. Verlangt wurden gerade und gebogene Randabschlüsse, eine Natursteinpflästerung, eine grössere Fläche aus Betonverbundsteinen mit einem Schriftzug sowie eine Fläche mit Asphaltbelag. Sobald eine Equipe einen Arbeitsschritt abgeschlossen hatte, traten die Experten in Aktion. Zu viert überprüften sie die Arbeit auf ihre Genauigkeit. Position, Höhe, Lage, Dimension, Ebenheit und Gefälle wurden ermittelt und bewertet. Jeder Millimeter, den das Bauwerk vom Plansoll abwich, gab einen Punktabzug. Jürg Stolz, Leiter Überbetriebliche Kurse an der Berufsfachschule Verkehrswegbauer, vertrat die Schweiz im Expertenteam. Zwischen den Wettkämpfen sorgte er für die fachliche Betreuung von Dominic und Patrick, gab Tipps und wies auf mögliche Schwierigkeiten hin.

Feine Kerle

Die Einladung zur Strassenbauer-Weltmeisterschaft des ZDB traf ziemlich spät beim Fachverband Infra ein. Entsprechend kurzfristig entschieden die Schweizer, nach Leipzig zu fahren. Viel Zeit für ein breites Auswahlverfahren und eine ausgedehnte Vorbereitung blieb deshalb nicht. Sozusagen im freihändigen Verfahren entschied man, wer für die Schweiz an die World Skills durfte: Dominic und Patrick wurden vom Fachverband Infra und Jürg Stolz für die Teilnahme an den World Skills ausgewählt, weil sie zu den besten des Lehrabschlusses 2012 gehörten. «Ausserdem», ergänzte Jürg Stolz, «sind es zwei feine, höfliche Kerle, die wissen, wie man ein Land repräsentiert.»

Gekannt hatten sich Dominic und Patrick vorher nur flüchtig. Zur Vorbereitung auf die World Skills trainierten die beiden während insgesamt einer guten Woche an der Berufsfachschule in Sursee. Dort lernten sie die Wettbewerbsaufgabe und vor allem auch sich gegenseitig besser kennen.
Dieses Vorbereitungstraining war sinnvoll und nötig, denn Strassen werden in anderen Ländern mit anderen Methoden und mit anderen Materialien gebaut. So werden in Deutschland gemeinhin grössere und schwerere Randsteine verbaut als in der Schweiz. Am Wettbewerb wurde zudem der Einbau von Kaltasphalt verlangt, ein Material, dass man hierzulande bei grösseren Flächen kaum verwendet. Entsprechend unerfahren waren die beiden Jung-Strassenbauer. «Kaltbelag haben wir zuvor noch nie eingebaut», gaben Patrick und Dominic unumwunden zu.

Strassenbauer lernen lohnt sich

Die beiden Strassenbauer leisteten mit ihrem Einsatz einen wichtigen Beitrag, den Beruf des Strassenbauers bekannt zu machen. So waren sie vor, während und nach dem Wettkampf begehrte Interviewpartner von Zeitungs- und Radiojournalisten. Mit erstaunlicher Routine beantworteten sie zum Beispiel Fragen zur Strassenbauerlehre, zu den World Skills oder zu den Bewertungskriterien beim Wettkampf.
An Berufsmeisterschaften kann ein breites Publikum sehen, was alles zu den Aufgaben eines Strassenbauers gehört. «Mit der Teilnahme an der Strassenbauer-WM in Leipzig und vor allem mit unserer Schweizer Meisterschaft im nächsten Jahr möchten wir Jugendliche und ihre Eltern darauf aufmerksam machen, wie attraktiv und vielseitig eine Lehre als Strassenbauer ist», betonte Matthias Forster, stellvertretender Geschäftsführer und Delegationsleiter des Fachverbands Infra an den World Skills.

Bronze gewonnen

Die World Skills in Leipzig werden Patrick Bürgin und Dominic Zähner nicht mehr so rasch vergessen. Die Eröffnungs- und die Schlusszeremonie, die aussergewöhnliche Stimmung während den Wettkämpfen und die positiven Begegnungen mit Berufskollegen aus anderen Ländern bleiben den beiden in bester Erinnerung. Das Schweizer Strassenbauer-Team schaffte es am Schluss auf den dritten Platz – hinter den beiden Teams aus Deutschland und vor den Franzosen. Eine Silbermedaille schien zwar lange in Reichweite, von einem verpassten zweiten Platz will aber niemand reden. Im gesamten Schweizer Team überwiegt die Freude über Bronze. «Wir freuen uns sehr über den dritten Platz von Dominic und Patrick und sind stolz, welche Arbeit die beiden gezeigt haben», bestätigt Matthias Forster. Gross ist die Freude aber auch daheim, bei den Freunden und Familien und ganz besonders bei den Arbeitgebern von Patrick Bürgin und Dominic Zähner.

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